Der kleine Beutenkäfer in Lauerstellung

Eine neue, ernst zu nehmende Gefahr??
Der Kleine Beutenkäfer, mit lateinischem Namen aethina tumida, ist ein glänzender rot- bis dunkelbrauner Käfer, der etwa ein Drittel so groß wie eine Honigbiene ist. Er ist gut an seinen etwas verkürzten Flügeldecken, die einen Teil des Hinterleibes freilegen und an einem Wulst am jeweiligen Fühlerende erkennbar. Ursprünglich war dieser Käfer nur in Afrika südlich der Sahara beheimat, dort für die Bienen aber ungefährlich. Inzwischen hat er den Weg nach Nordamerika, Australien und seit kurzem nach Europa gefunden.
Die Parasitierung der Bienen geschieht durch die Eiablage der weiblichen Käfer im Bienenstock. Diese findet in Ritzen und Spalten statt, kann aber auch in der Brut erfolgen. In einem Käferleben können mehrere Tausend Eier gelegt werden. Die Larven, die nach etwa zwei Tagen schlüpfen, fressen sich innerhalb der folgenden Tage bis Wochen durch den Brut- und Honigbereich, also durch das gesamte Wabenwerk. Dadurch wird das Bienenvolk derart zerstört, dass es zumeist, ebenso der Honig nicht mehr zu retten ist. Die Larven verlassen nach dieser Fressphase die Bienenbeute. Im näheren Umkreis verpuppen sich diese Wanderlarven dann in „selbstgebohrten“ Bodenhöhlen. Sie brauchen dafür je nach Umwelteinflüssen ein bis drei Wochen. Die adulten Käfer ziehen wiederum in Beuten ein und ernähren sich dort in der Hauptsache von Pollen und Honig. Der Kreislauf beginnt von Neuem.

Begünstigt wird der Kleine Beutenkäfer von einer feuchten und warmen Umgebung, ebensolchen klimatischen Verhältnissen und einem eher lockeren Boden um die Bienen herum. Er ist fähig auch größere Strecken im Flug zurück zu legen, sich auch in einem Schwarm oder „Paketbienen“zu verstecken oder gar in einer Kiste mit Obst eine Zeit zu überleben.
Derzeit ist der Käfer in Europa nur im südlichen Italien nachgewiesen, hat dort aber schon trotz massiver Gegenmaßnahmen Sperrbezirksgrenzen auch auf natürliche Weise übersprungen. Deshalb ist davon auszugehen, dass in baldiger Zeit auch in Deutschland erste Funde gemeldet werden.

Ein Fund ist wie in anderen EU-Ländern auch in Deutschland anzeigepflichtig. Die Veterinär-Behörden rüsten sich derzeit für diesen Fall, beim Fachzentrum Bienen der bayerischen Landesanstalt in Veitshöchheim wurde im Mai das Frühwarn-Projekt „BeeWarned“ mit Dr. Nicole Höcherl ins Leben gerufen. Das Friedrich-Löffler-Institut erstellte ebenso im Sommer 2017 mit Dr. Marc Schäfer einen Bekämpfungsplan mit dem Ziel der Ausrottung des Käfers.
Die Verbreitung soll in Deutschland dementsprechend mit einer möglichst absoluten Eliminierung, ähnlich dem Konzept in Italien, gestoppt werden. Ein befallener Bienenstand wird in seiner Gänze entsorgt, ebenso das umliegende Erdreich. Ein Bienenvolk dient danach als Köder, um mögliche restliche Käfer ein zu fangen. Ein Sperrbezirk wird entsprechend der Biologie des Käfers um diesen Bienenstand herum eingerichtet, aller Voraussicht etwa 10 Kilometer.

Bei den Schadensszenarien insgesamt gehen die Meinungen auseinander. Im Vorteil werden starke und gesunde Völker sein. Es wird auch jenseits von chemisch-syntetischen Produkten Möglichkeiten geben, den Käfer zu bekämpfen bzw. mit entsprechenden Bodenbretter zu fangen. Manche nehmen zur Einordnung der Schädlichkeit die Wachsmotte zum Vergleich, allerdings in ihrer sehr agressiven Form. Auch der Blick nach Australien und in die USA lassen eine gewisse Zuversicht zu. Allerdings ist unsere Imkerschaft sehr vom Hobbygedanken und von Kleinstimkereien geprägt, die insgesamt im Vergleich doch andere Haltung zu den Bienen haben. Ein Erkennen und Bekämpfen wird dies deutlich erschweren, auch der Wiederaufbau der Imkerei ist weit ungewisser. Zudem müsste jedes Bienenvolk in ihren Einzelteilen zugänglich sein, was bei manchen heute „modernen“ Beutentypen wie der Bienenkiste oder des TBHs nicht Fall ist.
Insgesamt ist es schwer zu beurteilen, ob der Kleine Beutenkäfer das Imkern ähnlich verändern wird wie seinerzeit die Varroamilbe. Parallen sind aber durchaus erkennbar, denn auch hier haben die Bienen im ursprünglichen Verbreitungsgebiet gelernt und sind fähig mit dem Parasiten zu leben. Wieder einmal sind die Globalisierung die Ursache für die Ausbreitung und der Klimawandel eine gute Starhilfe für ein Parasiten. Unser Imkern trägt durch den Handel mit Bienenprodukten und dem Transport von Bienen über weiteste Strecken auch dazu bei, dass wir mit einem weiteren Problem konfontiert sind.
Pessimistisch muss einen der Gesamtzustand, die Anfälligkeit unserer Bienen in Europa stimmen. Zu den vielen Stressfaktoren wird eben ein weiterer hinzugefügt.
Es bleibt zu hoffen, dass aus den Erfahrungen des langen und scheinbar aussichtlosen Kampfes gegen die Varroamilbe die richtigen Schlüsse gezogen werden. Daneben aber auch die Konzepte, wie sie wohl erfolglos in Italien waren, kritisch hinterfragt werden und an Alternativen gearbeitet wird. Ein Teufelskreis von chemischer Behandlung, Rückstandsproblematik, Resistenzen, Schwächung und letztendlich dann doch der Tod der Bienen wünscht sich kein Imkeer. Dies würde nicht nur die Bio-Imkerei insgesamt enorm schwächen, sondern kann sie in ihrer Existenz bedrohen.

Marc Schüller im Oktober 2017