Jahresrückblick 2016

Wetterkapriolen und Wetterextreme entwickeln sich zunehmend zum Dauerthema für alle, die von der Natur abhängen und sozusagen mit ihr arbeiten müssen. Auch 2016 war wieder ein Jahr, dass uns in den Jahreszeiten nicht die gewohnte Witterung zukommen ließ. Einem wieder viel zu mildem schneearmen Winter folgte leider ein kaltes, nasses und teils völlig verregnetes Frühjahr. Die Völker hatten alle den Winter gut überstanden und sich gut bis in den April hinein entwickeln können. Zu Beginn des Vorfrühlings fehlte aber das entsprechende Wetter, damit die Bienen die Blüten anfliegen konnten. Endlich wäre mal nach den letzten trockenen Jahren genügend Feuchtigkeit im Boden gewesen. Trotzdem gab es ausreichend einen guten, wenn auch deshalb sehr verspäteten Frühjahrshonig. Er war dieses Jahr weniger als sonst von den Frühstblühern wie Obst, insbesondere Kirschen geprägt, sondern hatte schon einiges an Frühsommer-Blüten wie Robinie und Weißdorn in seinem Spektrum.

Der eigentliche Bienensommer war dadurch kurz, da das sogenannte Abschleudern schon Anfang Juli begann. Der Honig war diesmal fast ohne Honig-Tauanteil, bei fast allen Standorten gab es damit einen typischen blumigen kräftigen Sommerblütenhonig, der relativ schnell, aber samtig kristallisierte.

Ab Juli wurde es wieder heiß, nicht unerträglich wie im Vorjahr, aber wieder in Verbindung mit einer lang anhaltenden Trockenheit, die weit in den September hinein anhielt und ausgerechnet Mitte September bei unserem Grüne-Lust-Wochenende beendet wurde. Für die Grundwasserspiegel war es dann aber wieder zu wenig, so dass man in Nürnberg schon seit einigen Jahren mit ausgesprochen trockenen Jahren leben muss,.

Die Experimente mit den verschiedenen Beutensystemen verliefen so wie erwartet: wenn man alle Vor- und Nachteile gegeneinander aufwiegt ist die Dadant-Beute am besten geeignet für uns. Die besetzten TopBarHives sind gut durch das Jahr gekommen, bleiben aber immer noch eine große Herausforderung, bei keiner Honigentnahme.

Die Entwicklung der Bienen gab dieses Jahr einiges an Rätseln auf. Im Frühjahr war der Schwarmtrieb durchschnittlich, im Frühsommer war auffallend, dass man immer noch ständig neue Weiselzellen in den Völkern fand. Dafür gab es zunehmend keine Erklärung, da auch schon geschwärmte Völker oder Völker mit Jungköniginnen dieses Phänomen hatten. Dieses sehr ungewöhnliche Verhalten zog sich bis in den August, teils in den September hinein und war einfach nicht zu interpretieren, weder mit sinnvoller Umweiselung, noch mit Varroadruck, noch mit auffälligen Brutnestern. Die Folge waren nicht etwa Schwärme, sondern das plötzliche Verschwinden der Zellen oder eben Umweiselungen, die unglücklicherweise dann oft nicht klappten. Die Quote der nicht zurück gekommenen Jung-Königinnen war bei uns so hoch wie noch nie.

Gleichzeitig war im September die Zunahme der Varroamilben bei einem Teil der Völker dramatisch, was erst einmal überraschend war. Glücklicherweise war das Wetter für die Ameisensäure-Behandlung günstig. Aber bis weit in den Oktober hinein purzelten Unmengen an Milben aus den Völkern. Die Oxalsäure-Behandlungen zeigten, erfreulicherweise bei Brutfreiheit, leider das gleiche Bild eines hohen Befalls, was zu einem etwas mulmigen Gefühls führt, wenn wir an das Frühjahr denken.Zudem sind durch die späten Umweiselungen viele Völker sehr klein für diese Zeit im Jahr. Es wird wohl so sein, dass wir erstmals seit Jahren wieder Völker verlieren werden, was uns derzeit schon ziemlich umtreibt.

Die pädagogischen Angebote liefen mit Hilfe unserer Praktikantinnen Jule und Elisa wieder ausgesprochen gut und machten ungeheuren Spaß. Es ist genau das, wofür es sich lohnt Bienen zu halten und die Umgebung, unseren Garten so aufwendig zu bearbeiten.
Es gab bei den Besuchen der vielen Schulklassen und Kindergartengruppen in der Imkerei erstmals keinen einzigen Stich, obwohl Honig-Verkostungen am offenen Volk mit herausgezogener Wabe immer zum Programm gehörte.
In der Rudolf-Steiner-Schule führen wir seit diesem Schuljahr eine sehr große Gruppe von sechzehn Kindern durchs Imkerjahr, was aber inzwischen erstaunlich gut klappt. Ebenso hat sich die Imker-Gruppe der EJN an der Konrad-Groß-Schule gut zusammen gefunden. Es sind hauptsächlich Jungs, die nun schon mit dem 2. Schuljahr in Folge als alte Hasen zu betrachten sind.
Im Gartenbau der Noris Inklusion haben wir in diesem Jahr die Völkerzahl auf 25 vermehrt, die allesamt auch jetzt kurz vor Weihnachten hervorragend dastehen.
Bei der Sparda Bank wurden Anfang des Jahres auch Völker auf das dortige Dach am Hauptbahnhof gestellt und das ganze, sehr aufwendige Projekt von Fortbildungen und Events begleitet.
Aus unseren vielen Präsentationen bei Veranstaltungen und Märkten stechen die drei Tage BioErleben auf dem Nürnberger Hauptmarkt ganz besonders heraus. Es hat richtig Spaß gemacht an einem solch schönen Ort mit dieser Gestaltung stehen zu dürfen! Danke an die Stadt Nürnberg und Noris Inklusion.

Meine Beratungstätigkeit für den Biokreis e.V. hat mich im Herbst enorm gefordert. Im November veranstalteten wir im Nürnberger Tiergarten einen Imkertag, zu dem mehr als 100 Interessierte kamen. Unser Hauptredner war der Neurologe Professor Menzel, den wir privat kennenlernen durften, was zu einer der intensivsten Begegnungen in diesem Jahr wurde. Im kommenden Jahr wollen wir wollen wir gemeinsam mit der Freien Universität Berlin seine Forschungen begleiten und dafür eines unserer Bienenvölker zur Verfügung stellen.
Auch die weltweiten Wachs-Verunreinigungen haben mich in dieser Zeit sehr beschäftigt. Insbesondere die Frage, wie Biokreis-Imker vor diesen geschützt werden können und was an welchen Stellschrauben diesbezüglich an den Richtlinien für ökologische Bienenhaltung zu stellen sind, werden die Herausforderungen für 2017 sein.

Auf politischer Ebene müssen wir alle dringender denn je klarmachen, dass wir eine andere Form der Landwirtschaft brauchen. Die Bienen haben auf Dauer in unserer aufgeräumten und in weiten Teilen monotonen Landschaft keine Chance des Überlebens. Der in Verbindung mit dem Schwund der Artenvielfalt stehende Einsatz von immer giftiger werdenden sogenannten Pflanzenschutzmitteln zerstört mindestens unsere Lebensqualität, wenn nicht sogar unsere Lebensgrundlage. Leider ist hier die Politik des Deutschen Imkerbunds, des D.I.B., nicht den Bienen und den kleinen Standort-Imkern zugewandt, sondern alleinig den Interessen der herkömmlichen Agrarpolitik.

Ich wünsche mit einem herzlichen Dank für 2016 allen unseren Freunden und Unterstützern ein gesundes glückliches Neue Jahr 2017,
Marc Schüller