Imkerlicher Jahresrückblick 2015

Wie im Jahr zuvor war das Wetter in Franken und Nürnberg von Extremen gekennzeichnet. Trotzdem war es ein normales, ja für uns Imker hier in der Region ein gutes Jahr 2015 gewesen.

Der Winter 14/15 brachte uns endlich mal wieder etwas Schnee, ein paar leichte Frosttage und eine normale Frühjahrentwicklung. Die Futtervorräte reichten wieder locker aus und pünklich zur Obstblüte waren die Völker bereit. Bei guter Witterung verlief die weitere Entwicklung genau so wie es sich der Imker wünscht: eine stetige Aufwärtsbewegung, Zunahme des Honigs, kaum Schwarmlust und auffallend friedfertige Bienen.

Ab Mitte Mai machten sich nun die Wetterextremen, die dieses Imkerjahr prägen sollten, stark bemerkbar: Hitze und wieder eine außergewöhnliche Trockenheit.

Die Folgen waren insbesondere für die Bienen nicht schön. Sie hatten Probleme, genügend Wasser zur Kühlung zu finden. Gleichzeitig schafften auch die Pflanzen und Bäume keine ausreichende Nektarversorgung ihrer Blüten. Im August halfen sich die Bienen teilweise sogar damit, ähnlich wie in Südfrankreich, dass sie ihr Brutgeschäft einstellten.

In Nürnberg gab vier Hitzeperioden, die allesamt fast an die 40°C-Marke herankamen. Von Mai bis in den September hinein regnete es in Franken fast gar nichts. Nürnberg ist hauptsächlich auf Sand gebaut, was die Dramatik der Trockenheit nochmals verschärfte.

Imkern war wegen der Hitze oft nur in kurzer Hose und T-Shirt möglich und selbst da eine „heiße Sache“. In der Hoffnung den Bienen etwas helfen zu können wurden sie bei jedem Öffnen nassgespritzt, ebenso deren Umgebung. Zudem versuchten wir wieder Anfang Juli abzuschleudern, um den Bienen zusätzliche Arbeit zu ersparen.

Trotzdem blieben die Bienen das ganze Jahr über friedlich, brachten auch von der Menge her durchschnittlich viel Honig. Und dieser war von hervorragender Qualität. Unser Honig hatte zumeist einen Wassergehalt zwischen 14 und 16%, was weit unter den vorgegeben Werten liegt. Zudem gab es endlich auch wieder, trotzdem wir Standortimker sind, Sortenhonige: in der Weidenmühle einen klaren Robinienhonig und am Stadion einen ganz dunklen Waldtauhonig mit einem hohen Eichenblattanteil.

In der Bilanz fällt auf, dass wir nur vier Schwärme hatten. Unsere Schwarmvorwegnahmen entwickelten sich aber besonders gut, sodass im Herbst es so wie in den Jahren zuvor ist.

Ein weiterer Top-Bar-Hive wurde besiedelt, was sehr gut klappte. Zudem begannen wir mit der Umstellung auf das Dadantmaß und experimentierten mit Zadanträhmchen in unseren“alten“ Beuten.

Die Varroa-Milbe schien bis in den Herbst hinein kaum ein Problem darzustellen. Erst im September nahm der Befall sygnifikant zu und war bei einzelnen Völkern kaum unter Kontrolle zu bekommen. Milchsäure wurde zum wichtigsten Mittel des Spätsommers und des Herbstes. Einzelne Völker kamen auf über zehn Varroa-Behandlungen in diesem Jahr! Gerade im Spätherbst, ja selbst durch die frühlingshaften Umstände um Weihnachten herum, musste um manches Volk gekämpft werden. Mangelnde Brutfreiheit war auch diesem Herbst/Winter leider wieder ein häufiges Kennzeichen, was die Entwicklung der varroa-Milbe begünstigt. Aufgrund des Klimawandels wird dieses Phänomen des Durchbrütens den Imkern hier in der Region wohl bleiben, was wieder zusätzliche Maßnahmen zur Folge haben wird. Ob wir in 2016 ernsthaft über Brutentnahme nachdenken werden?

Unser eigentlicher Schwerpunkt, die pädagogischen Angebote machten wieder Spaß, wurden gut angenommen und füllten uns im Sommer gut aus. Erstmals halfen hier auch unsere Praktikantinnen Hannah und Ursine mit, was richtig gut war!

Inzwischen laufen die Vorbereitungen auf die neue Saison, praktisch wie planerisch: Mittelwandgießen, Rähmchen putzen, Bestellungen aufgeben, weiter Fortbilden, den neuen Flyer gestalten....

Ein gesundes Neues Jahr 2016 wünschen wir allen Unterstützern, Freunden, Kollegen, Helfern und Partnern.

Marc Schüller